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Warum Bankrott-Sätze Ihre Überzeugungskraft massiv untergraben – Rhetorik Tipps

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Ohne Bankrott-Sätze kommunizieren Sie selbstbewusster, souveräner und mit mehr Überzeugungskraft – Rhetorik Tipps für jeden Tag

Bankrott-Sätze – das sind die leisen Killer Ihrer Überzeugungskraft. In Gesprächen, bei Besprechungen, in Workshops oder Meetings, als Redner, oder auch bei Präsentationen möchten wir doch alle vor allem eines: souverän wirken, als selbstbewusst wahrgenommen werden, gute Gefühle vermitteln. Und natürlich, dass unsere Message ankommt. Wir möchten ein “gutes Bild” hinterlassen, positiv markiert werden und so in Erinnerung bleiben. Doch sehr viele Menschen nehmen sich durch bestimmte Sprachmuster gleich von Beginn an selbst den Wind aus den Segeln. Und zwar sehr oft von Ihnen selbst unbemerkt und unbeabsichtigt. Durch die sogenannten Bankrott-Sätze.

Bankrott-Sätze – die leisen Killer Ihrer Überzeugungskraft

Bankrott-Sätze sind quasi ein Offenbarungseid für eine eigene Nicht-Kompetenz.

Das Gemeine ist: wir wollen mit diesen Sätzen meist das völlige Gegenteil oder zumindest etwas anderes erreichen, als das, was dank des Bankrott-Satzes beim anderen ankommt.

Die Sätze sind oftmals “verpackt” in die gut gemeinte Absicht einer Vorab-Exkulpation. Man möchte das Gegenüber oder die Zuhörer auf etwas Bestimmtes hinweisen, was nach eigener Auffassung z.B. momentan (noch) nicht so gut oder so final ist. Man nutzt sie, um sich dafür zu entschuldigen, dass es gerade jetzt, gerade heute nicht so ist wie sonst

Frei nach dem Motto: “Ich habe es ja vorher gesagt, dann darf sich hinterher auch niemand darüber beschweren”. Oder: “Ich habe es ja angesprochen, also darf mich bitte dafür hinterher auch keiner kritisieren, es gegen mich verwenden oder mir übel nehmen.” Gemeldet – befreit! Und damit meine Überzeugungskraft gerettet.

Tja, schön wär´s.

Warum?

Gerade in Gesprächen, in Besprechungen, in Diskussionen oder Workshops, bei Reden, Vorträgen oder Präsentationen haben solche Sätze häufig den gegenteiligen Effekt: 

  • Denn mit dem Bankrott-Satz LENKE ich die anderen gerade sehr pointiert auf etwas, was sie vorher möglicherweise gar nicht, nicht so offentlichlich oder als nicht so wichtig / bedeutend wahrgenommen hätten.
  • Die Zuhörer oder Zuschauer glauben dem Sprechenden nämlich genau das, was er da gerade sagt.  

Und was passiert dann?

Mit diesem Eindruck werde ich im Hirn des Geprächspartners, im Zuhörerhirn bzw. Zuschauerhirn für die Zukunft markiert.

Und genau an dies erinnert sich der Zuhörer bzw. Zuschauer dann später wieder. Obwohl ich das ja gerade vermeiden wollte.

Durch den Bankrott-Satz liefere ich sozusagen eine direkte Steilvorlage für die Schublade, in die der Zuhörer/Zuschauer mich stecken kann. Ich gebe ihm eine direkte Hilfestellung, wie er mich zu sehen hat.

Und dieses Angebot nehmen diese, wie schon gesagt, nur allzu gerne an. Denn sie glauben Ihnen.

Schauen wir uns dazu gleich ein paar Beispiele an.

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5 Beispiele für typische Bankrott-Sätze, die Ihre Überzeugungskraft mindern

Beispiel 1

Bankrott-Satz: „Sie wissen ja, ich bin kein guter Redner, aber ….“

  • Was möchte ich damit erreichen? Ich möchte, dass die Zuhörer mir den ein oder anderen Fehler verzeihen. Dass sie weniger auf meine rhetorischen Skills schauen, sondern lieber auf den Inhalt.
  • Was denkt bzw. behält der Zuhörer? Ihm werden jetzt alle “ähs”, “öhs” usw. erst Recht auffallen. Ihm wird viel schneller bewusst, wo die Modulation nicht stimmt oder dass ich keine Emotionen rüberbringe. Er wird nach Beweisen suchen, dass ich kein guter Redner bin. Und er wird auch welche finden, denn er lenkt seinen Fokus darauf. Ergebnis wird sein: „Stimmt, reden konnte er ja noch nie gut“. Die Gefahr ist hoch, dass ich so markiert werde. Und meine Überzeugungskraft leidet.

Beispiel 2

Bankrott-Satz: „Eigentlich wollte ich noch viel mehr erzählen, aber die Zeit ist ja jetzt schon um. Die wichtigsten Punkte wären noch gekommen.“

  • Was möchte ich damit erreichen? Jemand, der etwas in diese Richtung sagt, möchte oftmals erreichen, dass der andere weiß, dass er ja noch viel mehr Themen, Argumente, Inhalt gehabt hätte. Und dass er nur wegen der knappen Zeit nicht alles sagen konnte. Dass die Zeit knapp ist, ist ja schließlich nicht seine Schuld (denkt er). Manche möchten so auch noch einfach etwas mehr “Redezeit” einfordern. Und die anderen auf die wichtigsten Punkte, die ja noch gekommen wären, neugierig machen.
  • Was denkt bzw. behält der Zuhörer? „Stimmt, der X hatte ja schon immer Probleme mit dem Zeitmanagement. Hat er mal wieder den Schwerpunkt auf die weniger wichtigen Dinge gelegt. War ja nicht anders zu erwarten.“ Wenn ich mir in dem Moment diesen Bankrott-Satz verkniffen hätte anstatt ihn auszusprechen, wäre möglicherweise niemandem aufgefallen, dass ich noch nicht fertig war. Denn schließlich weiß ja keiner, was ich alles sagen wollte.

Beispiel 3

Bankrott-Satz:„Ich muss mich vorab entschuldigen. Die Folien sind total überladen, aber ich wollte Ihnen unbedingt alle Facetten rüberbringen …“ Oder – ähnliche Richtung, wenn man z.B. vor einer Besprechung oder einem Meeting Unterlagen verschickt hatte: “Ich muss mich vorab entschuldigen, dass ich Ihnen so viel zu lesen zugemutet habe / die Ausarbeitung etwas länger / so lang geworden ist.”

  • Was möchte ich erreichen? Ich möchte Verständnis “provozieren”, dass die ein oder andere Folie vielleicht nicht lesbar ist / nicht übersichtlich ist. Aber dies ist natürlich nur meinem 100%-Inhaltsanspruch geschuldet. Sonst mache ich natürlich bessere Folien. Oder bzgl. der langen Ausarbeitung: Ich möchte klären, dass die Ausarbeitung zwar lang war, aber dass es nicht kürzer gegangen wäre. Und ich honoriere, dass der andere sie trotzdem gelesen hat.
  • Was denkt bzw. behält der Zuhörer? Er wird jetzt erst Recht wieder seinen Fokus auf das Layout der Folien legen. Und er wird wieder Beweise finden: „Stimmt, die Folien sind wirklich viel zu voll und ohne Aussage. Weniger wäre mehr gewesen. Das versteht man wirklich nicht.“ Und bezüglich der Ausarbeitung wird durch diesen Satz seine Erinnerung wieder “aktiviert”, weil er sich beim Lesen über die Länge der Ausarbeitung aufgeregt hat. Eigentlich hatte er dies schon längst wieder vergessen. Doch jetzt kommt sein Ärger wieder hoch. Er wird denken: “Dieser Mensch ist nicht in der Lage, sich kurz zu fassen.”

Beispiel 4

Bankrott-Satz: „Ich bin eigentlich gar nicht richtig fertig mit …, aber ich zeige Ihnen schon einmal einen Zwischenstand“

  • Was möchte ich erreichen? Ich möchte erreichen, dass ich dem anderen rüberbringe, dass alles was jetzt noch nicht toll ist, was er jetzt zu bemeckern hat, später – in der Endfassung – natürlich alles viel besser sein wird. So dass er mich bitteschön hieran nicht messen soll.
  • Was denkt bzw. behält der Zuhörer? Sofern ich nicht explizit darum gebeten wurde, einen Zwischenstand zu schildern, wird er sehr schnell denken: „Warum sitze ich hier, um mir Zwischenstände anzuhören/anzuschauen. Das ist vertane Zeit.“ Oder schlimmer noch: “Dieser Mensch vergeutet meine Zeit”. Oder: “Der hat doch genug Zeit gehabt, warum ist der noch nicht fertig (so wie ich auch)?” Markierung? Eher negativ. Und die Überzeugungskraft leidet.

Was hätte man statt des Bankrott-Satzes sagen können?

Hier gibt es natürlich unzählige Möglicheiten, je nach Sachverhalt. Ein Beispiel: “Ich zeige, erläutere  Ihnen heute X wichtige Aspekte zu dem Thema …” Damit suggeriere ich ein erstes Ergebnis. Und im Anschluss: “Die von mir vorgesehenen nächsten Schritte sind … ” Damit mache ich deutlich, dass ich einen genauen Plan habe, wie ich weiter vorgehe. Im besten Fall werden mich die anderen so als jemanden markieren, der strukturiert vorgeht.

Beispiel 5

Bankrott-Satz: „Ich habe sehr viele Informationen zusammengetragen und bin mir daher gar nicht sicher, ob ich in der Zeit alles besprechen kann“

  • Was möchte ich erreichen? Ich möchte zeigen, dass ich sehr genau gearbeitet habe / sehr fleißig war. Und vielleicht mehr Redezeit angebracht wäre. Oder (wenn es z.B. eine Ausarbeitung gibt) man ja den Rest dann dort nachlesen kann.
  • Was denkt bzw. behält der Zuhörer? Er wird tendenziell seinen Fokus nicht auf den Fleiß oder die Genauigkeit legen, sondern auf das Ergebnis: „Ja, das sind wirklich viele Informationen. Aber anscheinend ist er nicht in der Lage, diese sinnvoll zu priorisieren. Warum konzentriert er sich nicht auf die wichtigen Punkte. Ich sitze hier doch nicht, um mir Belanglosigkeiten anzuhören.“

Und somit leidet auch hier wieder meine Überzeugungskraft.

Bevor wir gleich zu Tipps kommen, wie Sie Ihre Überzeugungskraft verbessern bzw. was Sie gegen Bankrott-Sätze tun können, noch ein kurzer Hinweis bzw. Gedanke.

Sie sehen schon anhand dieser einfachen Beispiele, wie wichtig es ist, an seiner rhetorischen Fitness zu arbeiten. Denn die Bankrottsätze sind nur ein (kleiner) Ausschnitt davon.

Ich habe es mir daher u.a. zur Aufgabe gemacht, möglichst vielen Menschen die Verbesserung ihrer rhetorischen Fitness zu ermöglichen und daher 3 Online-Kurse erstellt, die genau darauf abzielen. Wenn Sie so wollen ist es ein Grundlagenkurs und 2 Spezialkurse

Die beiden Spezialkurse beschäftigen sich mit 2 ebenfalls enorm wichtigen Aspekten der rhetorischen Fitness.

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Überzeugungskraft verbessern – 2 Tipps, was Sie gegen Bankrott-Sätze tun können

Tipp 1: Bewusstes erkennen

Was ich nicht (er)kenne, kann ich nicht abstellen.

Achten Sie selbst in Zukunft auf von Ihnen gerne benutzte Sprachmuster, die den Charakter von Bankrottsätze haben (können).

  • Überprüfen Sie, aus welchem Grund Sie diese Sätze benutzen = was wollen Sie damit erreichen?
  • Hinterfragen Sie, ob das, was Sie erreichen wollen, auch wirklich beim anderen angekommen ist. Überlegen Sie, wie man Ihren Satz auch auffassen könnte. Überlegen Sie, was Sie denken würden, wenn jemand diesen Satz sagt. Achten Sie auf die Reaktionen des Gegenüber und ziehen Sie Ihre Schlüsse daraus.
  • Versuchen Sie, diese Bankrott-Sätze  in Zukunft zu vermeiden. Oder überlegen Sie sich, was Sie stattdessen zukünftig besser sagen könnten (so wie in dem ein oder anderen Beispiel oben).

Tipp 2: Feedback einholen

Inbesondere, wenn es Ihnen schwerfällt, solche Bankrott-Sätze selbst zu erkennen, dann holen Sie sich Feedback von anderen.

  • Holen Sie sich Feedback von z.B. Ihnen nahestehenden Personen in Bezug auf Sprachmuster, die bei diesen Personen negativ auffallen.
  • Zum Beispiel, indem Sie nachfolgende Satzvervollständigungen einsetzen
    • Mir fällt auf, dass Du immer wieder …. machst/sagst
    • Jedes Mal, wenn Du …. Dann denke ich …
    • Ich würde Dir empfehlen, zukünftig …. zu vermeiden/zu unterlassen

So kommen Sie Ihren Bankrott-Sätzen auf die Spur, verbessern Ihre Wirkung und eliminieren die Killer Ihrer Überzeugungskraft.

Bankrott-Sätze sind nur eine Möglichkeit, woran Ihre Überzeugungskraft leiden kann. Und die Ursache liegt in Ihrer Rhetorik

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